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20 Jahre Platz Electronic

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Am o9.o9.1987 war es soweit, ich hielt meine Meisterurkunde in den Händen. Dann ging alles relativ schnell. Ich beantragte beim Rat des Kreises Dresden die Übernahme des bestehenden Handwerksbetriebes meines Lehrmeisters Ernst Namokel.

Am o1. April 1988 eröffnete ich also meine Handwerksbetrieb als Rundfunk und Fernsehtechnikermeister. Von den Mitarbeitern wurde mir damals die Übernahme eines Technikers genehmigt. Damals wurde das vom Rat des Kreises so formuliert: Die Beschäftigung von einer Vollbeschäftigteneinheit wird zugestimmt. Reparaturen hatten wir genügend. Viele von Ihnen besaßen damals noch den Color 20, den Chromat den Raduga oder verschiedene Schwarzweiß- Fernsehgeräte, das Röhrenradio oder Plattenspieler, alles wurde repariert. Vom anderen Ende Dresdens oder Meißen wurde der Raduga zur Reparatur gebracht, weil ich einer der wenigen war, der die repariert hatte. Die Ersatzteile dafür holte ich aus Gera, mit dem Trabbi, ein Tagesausflug. Stichwort Ersatzteile, ein freundliches Trinkgeld von Kunden wurde gesammelt und bei den Damen vom Ersatzteilvertrieb abgeliefert, war ja so, ohne Ersatzteile keine schnelle Reparatur.

Dann kam die Wende und mit ihr das imperialistische Wirtschaftssystem. Vorbei war’s mit der Erfüllung der Hauptaufgabe der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und der immer besseren Befriedigung der materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung. Es zählte nur noch Westgeld. Waren aus den alten Bundesländern überschütteten die neuen Bundesländer.

Mit den Waren kamen auch die Klugscheißer. Uns wurde zu allererst erklärt wie gearbeitet wird, wie verkauft wird, wie viel Ladenfläche und was für Messtechnik gebraucht wird und dass wir ja überhaupt blöd sind. Nach einem seelischen Zusammenbruch daraufhin, ergab ich mich meinem Schicksal und packte es an. Meine kleine Werkstatt von damals, viele kennen sie ja noch, wurde für den Verkauf umgerüstet. Die Geräte zum verkaufen holten wir mit dem Wartburg oder dem Barkas aus Bayreuth von einem Händler, der mir beim Start ins neue Zeitalter sehr geholfen hat. Ging ganz gut erstmal, bis der Wessi in der Tür meiner kleinen Werkstatt stand. Er machte mir klar, dass mein Gewerberaum auf seinem Grundstück steht und dass ich doch verschwinden soll. Was nun. Neue Räumlichkeiten mussten her. Also alles ausgebaut und bei meinen Eltern in Reichenberg, Hochland wieder eingerichtet. Viele Geräte die dort verkauft wurden stehen heute noch in Ihren Wohnzimmern.

1992 war es dann so weit. Der Streit um die Eigentumsverhältnisse des Grundstücks, wo ich 1986 angefangen hatte, Wohnraum und Geschäftsräume zu bauen, war beendet. Ich stand im Grundbuch und die Bank gab Geld um den Bau fertig zu stellen. Am o1. Oktober 1992 konnten wir das neue Geschäft eröffnen unsere Kunden in gepflegter Atmosphäre bedienen. 3 Lehrlinge bildete ich in der Folgezeit aus. Wir reparierten alles wo irgendwie Strom drinnen fließt. Fernseher, Video, CD, DVD, Installation und Reparatur von Antennentechnik, ja selbst Heizungssteuerung und KFZ- Elektronik und das Lieblingsspielzeug der kleinsten machten wir wieder ganz.

Aber der Bedarf war gesättigt und der Umsatz ging zwangsläufig zurück. Damit sank der Gewinn und die Kosten blieben bzw. stiegen. Ja und da ging mir es nicht anders als anderen Friedewaldern auch, ohne genügend Verdienst bekommst die Scheidungspapiere, das war zu Weihnachten 1994.

1995 eröffnete ich in meinem Geschäft die Postfiliale, da unsere bisherige Post in Friedewald geschlossen wurde. Feine Sache für die Friedewalder und die Leute aus der Umgebung, denn dass man hier nicht anstehen musste und dazu noch parken konnte, sprach sich schnell rum. Halb Radebeul kam mit der Post zu mir. Dann erweiterte ich noch auf ein kleines Schreibwarensortiment und begann als Profipartner des Quelle- Versandhauses.

Aber der Umsatz ging weiter zurück. Die folgenden Monate, Jahre waren ein Tanz auf der Rasierklinge. Reichen am Monatsende die Einnahmen um die Ausgaben zu decken? Nein ist die Antwort. 2003 war es dann soweit und ich musste mein Haus verkaufen. Bin seit dem als Mieter in meinen Geschäftsräumen aber dafür schuldenfrei. Komisches Gefühl plötzlich, ohne 6 roten Zahlen vor dem Komma. 2005 wurde mir dann die Postfiliale weggenommen, weil wir keine 2000 Einwohner in Friedewald sind. Alle Einwohner haben sich Mühe gegeben etwas zu tun, um die Filiale zu erhalten. Selbst die Parteien hatten sich das auf ihre Fahne geschrieben damals. Hätte ich darauf vertraut, gäbe es ab dem Moment keine Post mehr. So hab ich eigenmächtig mit der Post einen Vertrag gemacht um die Post als Postshop weiter zu erhalten, zwar begrenzt auf 2 Stunden am Tag aber die Post blieb in Friedewald. Es konnte aber weiter gehen und ich war weiter für meine Kunden da, jeden Tag in der Woche ohne Krank und 14 Jahre ohne Urlaub. Meine Stammkunden jedoch, kaufen den neuen Fernseher lieber in Dresden. Dass die Post steht und fällt mit dem Elektronikgeschäft ist offenbar noch niemanden so richtig bewusst. Aber es ist schließlich jedem selbst überlassen wo er sein neues Fernsehgerät kauft, und damit zukünftig, wenn es für mich zu eng wird, auch das Paket nach Dresden schaffen muss.

Aber es wird wieder Sommer und im Sommer gibt’s Gewitter. Das bedeutet Arbeit ohne Ende in meiner Werkstatt. Bei der Gelegenheit lege ich jedem ans Herz, die Hausratversicherung zu prüfen, ob Überspannung durch Gewitter mit versichert ist. Bin kein Freund von Versicherungen, doch in dem Fall empfehle ich es zu überdenken.

Ich werde diesen 20. Jahrestag ohne spektakuläre Aktionen wie Verlosung und Rabattaktionen begehen. Ich hab in der zurückliegenden Zeit schon genug an meine Kunden verschenkt. Viele Kilometer bin ich kostenlos bei Kunden gewesen und hab die Taste auf der Fernbedienung gezeigt. Rechnungen liegen da, auf deren Begleichung ich Jahre vergebens schon warte. Altgeräte entsorgen müssen, für die sich plötzlich niemand mehr verantwortlich fühlte.

Ich werde aber weiter kämpfen, damit die Dienstleistung in Friedewald nicht gänzlich ausstirbt.

Bis bald, Mario Platz